Die Stadtmauer des Stadtls

Groß-Enzersdorf ist Stadtmauerstadt

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Groß-Enzersdorf ist Mitglied bei der Arbeitsgemeinschaft Stadtmauerstädte. Das wertvolle kulturelle Erbe der Stadtmauern zeugt noch heute von kriegerischen Ereignissen und vom Leben der Bürger in den befestigten Städten. Bei einem Rundgang entlang der Stadtmauern wird die Geschichte wieder lebendig.
Lesen Sie mehr auf der Webseite der Stadtmauerstädte.


45 Minuten entlang der Stadtmauer

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Wenn Sie an einem der nächsten lauen Sommerabende, hoffentlich ohne Regen, einmal nichts vorhaben, könnten Sie einen Spaziergang unternehmen, der Sie, man staunt nicht schlecht, in etwa einer dreiviertel Stunde rund um das „alte Groß-Enzersdorf“ führt. Genauer gesagt umrunden Sie entlang des Promenadenweges die Stadtmauer, die fast vollständig erhalten den Stadtkern umschließt.

Im Jahre 1396 wurde mit dem Bau der Stadtmauer begonnen

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Zum besseren Verständnis ihrer Entwicklung ein paar historische Fakten: Baubeginn der Stadtmauer war bereits 1396, als das von seinen Bewohnern bis heute liebevoll „Stadtl“ genannte „Marckt Enzerstorff“ durch Verleihung des Stadtrechtes eine richtige Stadt wurde. Bauherr war Bischof Berthold von Wehingen, Bischof von Freising und damals Kanzler des Herzogtums, der die Ringmauer mit drei Toren, Wachtürmen und Laufgängen sowie Wassergraben errichten ließ, wie es in der damaligen „Baubewilligung“, dem Brief der Herzöge Wilhelm und Leopold von Österreich, nachzulesen ist. Trotz der damals bescheidenen Hilfsmittel, Handwerker und Baumaterialien war das Werk in nur drei Jahren vollendet.

 
 

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Nun gut, für den Bau standen zwar Hunderte Zimmerleute und Maurer zur Verfügung, aber jeder Häuslbauer kann sich vorstellen, wie es im Mittelalter mit Handwerkern zugegangen sein muss. Die Wehrhaftigkeit der Mauer wurde mit einem Wassergraben erhöht, der ein weiteres Hindernis darstellen sollte.

Drei Stadttore reichten für den Anfang

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Für den Anfang mussten drei Stadttore genügen: Im Norden befand sich das Wiener Tor, heute Raasdorfer Tor genannt, das Stadttor im Süden führte zum Donauarm und zu den Schiffen, Wassertor nannte man es lange Zeit und im Osten war es das Wittauer Tor das über das Dorf Wittau ins Marchfeld führte. Nach 1529 nannte man es das Kroatentor, da nach dem Türkenkrieg kroatische Siedler auf den entvölkerten Höfen des östlichen Marchfeldes angesiedelt wurden. Holzbrücken an den Toren lagen über dem Wassergraben, die mit Ketten und Winden hochgezogen wurden, wenn es Nacht wurde oder sich Gesindel näherte. In den Tortürmen standen Wächter überwachten die hindurch ziehenden Menschen, kontrollierten Waren und hoben Steuern und Maut ein.

Die Bedeutung des doppelten W

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Falls Sie sich schon immer gefragt hatten, was das doppelte W im Stadtwappen bedeutet, hier eine Deutung: Im Wappen der Wehinger befand sich ein dem „W“ ähnliches Zickzack-Band welches in das Wappen der Stadt übernommen wurde. Dazu kam noch aus dem Wappen der Freisinger Bischöfe der gekrönte Mohrenkopf. Dieser  scheint erstmals 1284 auf dem Wappen des Bischofs Emicho auf. Der Freisinger Mohrenkopf - caput aethiopis genannt - ist seit 1316 im Wappen des Bistums Freising (Bischof Konrad III.) bezeugt und wurde später in das Stadtwappen von Groß-Enzersdorf übernommen.

Der Napoleonische Krieg war das Ende für die Mauer

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Die gotische Stadtmauer konnte die Stadt bei den großen militärischen Katastrophen der Neuzeit nicht mehr beschützen: Die beiden Türkenkriege 1529 und 1683, der 30-jährige Krieg und der Napoleonische Krieg wirkten sich auf die Stadt verheerend aus. Doch gegen marodierende Soldaten oder Räuberbanden bot die Stadt ihren Bewohnern Sicherheit. Noch bis zu den Schlachten mit Napoleon wurden abends die Tore geschlossen. Den dreitägigen Beschuss durch die napoleonische Artillerie, die in der Lobau ihre Stellungen hatte, konnte die Mauer nicht stand halten. Sie wurde gestürmt und bei den Gefechten schwer beschädigt. Die Bürger mussten die Tortürme abtragen. Mit dem Bau der nördlichen Linie der Dampftramway im Jahre 1886 wurde die Stadtmauer im Bereich des heutigen Wiener Tores  aufgebrochen und die Gleisanlage neben der Bundesstraße 3 durch die Stadt geführt.

Für die technisch interessierten Leser noch einige Fakten

Erbaut: von 1396 bis 1399
Länge: 1,87 km
Höhe: ca. 6m
Breite: 0,9 bis 1,4m
Tore: ursprünglich 3 (Raasdorfer Tor – einst Wiener Tor, Wassertor – auch Lobauer Tor, Wittauer Tor); jetzt 5 Zugänge
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